Palmsonntag

    Palmsonntag, auch Palmarum und auf Englisch „Palm Sunday“, wird jedes Jahr am Sonntag vor Ostern begangen.1,2 Der christliche Festtag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem und eröffnet die Karwoche.3 Palmsonntagsfeiern sind bereits seit dem späten 4. Jahrhundert belegt.4

    Geschichte

    Die liturgische Vorgeschichte des Palmsonntags reicht bis in das spätantike Jerusalem zurück. Dort wurden die Stationen von Jesu Leiden, Tod und Auferstehung an den überlieferten Orten und Tagen liturgisch nachvollzogen. Zu dieser Praxis gehörte auch eine Feier seines Einzugs in Jerusalem mit Palmzweigen.4,5 Der Name Palmsonntag tauchte um das Jahr 600 in Spanien und Gallien auf, dramatisch-liturgische Nachahmungen des Einzugs sind seit dem 8. Jahrhundert überliefert.1

    Ein einzelner Initiator ist in den ausgewerteten Quellen nicht genannt. Der Festtag entwickelte sich schrittweise aus der biblischen Erinnerung und der Jerusalemer Liturgie. Von dort verbreiteten sich Palmprozessionen in andere Länder. Weil in Deutschland kaum echte Palmen verfügbar waren, wurden sie durch heimische grüne Zweige ersetzt.5

    Brauchtum

    Palmweihe und Prozession prägen den katholischen Palmsonntagsgottesdienst. Die Gemeinde versammelt sich häufig vor der Kirche, hört das Evangelium vom Einzug Jesu, lässt die mitgebrachten Zweige segnen und zieht anschließend in einer Prozession in das Gotteshaus. Dort richtet die Lesung der Passionsgeschichte den Blick vom jubelnden Empfang bereits auf das bevorstehende Leiden und Sterben Jesu.3

    Für Palmbuschen und grüne Zweige werden in Deutschland unter anderem Buchsbaum, Weidenzweige und Palmkätzchen verwendet. Die gesegneten Zweige nehmen viele Gläubige mit nach Hause und befestigen sie beispielsweise an einem Kreuz. Besonders in Süddeutschland werden die Palmbuschen teilweise aufwändig mit farbigen Bändern geschmückt.3,6

    Bei manchen Palmprozessionen wird ein Palmesel mitgeführt. Im Berchtesgadener Land zieht häufig ein Esel an der Spitze der Gemeinde, manchmal ein lebendiger. Kunstvoll gearbeitete Holzesel sind seltener geworden. Der Brauch erinnert daran, dass Jesus nach der biblischen Überlieferung auf einem Esel in Jerusalem einzog.6

    Evangelische Traditionen unterscheiden sich teilweise von den katholischen Bräuchen. Palmprozessionen und Zweigsegnungen sind in evangelischen Kirchen in der Regel nicht üblich. In einigen Regionen war Palmarum jedoch ein traditioneller Konfirmationstermin, bei dem Konfirmand*innen mit grünen Zweigen in die Kirche einzogen.1

    In katholischen Gottesdiensten in Deutschland wird am Palmsonntag außerdem die jährliche Palmsonntagskollekte für Christ*innen im Heiligen Land gehalten. Die Spenden unterstützen über den Deutschen Verein vom Heiligen Lande und die Franziskaner soziale, pastorale und friedensfördernde Projekte. Die Kollekte steht jedes Jahr unter einem eigenen Leitwort:3

    • 2026: „Hoffnung säen“
    • 2025: „Schritt für Schritt. Aufeinander zugehen“
    • 2024: „Mittendrin – Barrieren überwinden“
    • 2023: „Chancen spenden. Damit Christen im Heiligen Land bleiben.“

    Für ganze Bundesländer einheitliche regionale Bräuche lassen sich aus den ausgewerteten Quellen nicht ableiten. Unterschiede zeigen sich vielmehr zwischen örtlichen und konfessionellen Traditionen, etwa zwischen den farbenfrohen Palmbuschen und Eselprozessionen im Berchtesgadener Land und evangelischen Gottesdiensten, die in der Regel ohne Palmprozession und Zweigsegnung auskommen.1,6

    Ähnliche Feiertage

    Quellen

    1. Palmsonntag ist der letzte Sonntag vor Ostern (ekd.de)
    2. Angelus, 16 April 2000, Palm Sunday (vatican.va)
    3. Palmsonntag: Hintergründe zum Beginn der Karwoche (erzbistum-koeln.de)
    4. Pilgernde Frauen und kritische Bischöfe: Ostern im 4. Jahrhundert (katholisch.de)
    5. Die Feier der Heiligen Woche: Jerusalemer Liturgie und deutsche Palmen (katholisch.de)
    6. „Der Palmsonntag ist geprägt von Gegensätzen“ (erzbistum-muenchen.de)