Tag der seelischen Gesundheit

    Der Tag der seelischen Gesundheit wird jedes Jahr am 10. Oktober begangen und entspricht dem internationalen World Mental Health Day, der im Deutschen auch als Welttag für seelische Gesundheit bezeichnet wird.1,2,3 Seit 1992 stehen an diesem Aktionstag die Aufklärung über psychische Gesundheit, der Abbau von Stigmatisierung und die Unterstützung von Maßnahmen im Mittelpunkt, die psychische Gesundheit stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken sollen.1,3,5

    Geschichte

    Der World Mental Health Day wurde 1992 von der World Federation for Mental Health ins Leben gerufen. Maßgeblich beteiligt war der damalige stellvertretende Generalsekretär Richard Hunter. Ziel war es, psychische Gesundheit weltweit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Aufklärung zu fördern. Die erste Aktion bestand aus einer internationalen Übertragung aus Tallahassee in Florida, an der sich bereits Teilnehmende aus fünf Kontinenten beteiligten.2
    Aus dieser zunächst kleinen Initiative entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein weltweit beachteter Aktionstag. Nach Angaben der World Federation for Mental Health gingen schon früh Rückmeldungen aus verschiedenen Ländern ein. Bald nutzten Regierungen, Organisationen und Einzelpersonen den 10. Oktober, um auf psychische Gesundheit aufmerksam zu machen und Vorurteile abzubauen.2 Heute ist der World Mental Health Day ein international etablierter Aktionstag, der auch von Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation aufgegriffen wird.1,2

    Brauchtum

    In Deutschland ist der Tag der seelischen Gesundheit eng mit der Woche der Seelischen Gesundheit verbunden, die rund um den 10. Oktober stattfindet. In diesem Rahmen werden bundesweit Veranstaltungen organisiert, die auf psychische Gesundheit, Prävention, Beratungsangebote und psychosoziale Hilfen aufmerksam machen. Dazu gehören unter anderem Vorträge, Workshops, Podcasts, Kunstausstellungen und andere Informationsformate, die häufig kostenfrei und sowohl vor Ort als auch online zugänglich sind.4,6

    Ein besonders sichtbares Zeichen ist die Grüne Schleife. Sie steht international für einen offenen und toleranten Umgang mit psychischen Erkrankungen und soll Akzeptanz fördern sowie Ausgrenzung entgegenwirken. Wer die Schleife trägt oder die Aktion in sozialen Medien unterstützt, macht damit sichtbar, dass psychische Erkrankungen kein Tabuthema sein sollen.5

    Neben Veranstaltungen spielen auch Informationsmaterialien und Online-Angebote eine wichtige Rolle. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit stellt bundesweite Veranstaltungen in einem Online-Kalender zusammen und bietet Werbematerialien sowie weitere Informationen zur Aktionswoche an. Auch Fachorganisationen wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung greifen den Aktionstag auf, etwa durch Informationsmaterialien für Praxen, Patient*innen und Angehörige.4,6

    Der World Mental Health Day wird seit 1994 zusätzlich durch jährlich wechselnde Mottos bzw. thematische Schwerpunkte geprägt, die von der World Federation for Mental Health ausgewählt werden. In den vergangenen Jahren standen dabei vor allem Fragen des Zugangs zu Hilfe, psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz, Menschenrechte und globale Ungleichheiten im Mittelpunkt:2

    • 2025: „Zugang zu Versorgung – psychische Gesundheit in Katastrophen und Notlagen“
    • 2024: „Es ist Zeit, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu priorisieren“
    • 2023: „Psychische Gesundheit ist ein universelles Menschenrecht“
    • 2022: „Psychische Gesundheit und Wohlbefinden für alle zu einer globalen Priorität machen“
    • 2021: „Psychische Gesundheit in einer ungleichen Welt: Gemeinsam können wir etwas bewirken“

    In den ausgewerteten Quellen finden sich keine Hinweise auf feste regionale Bräuche. Unterschiede zeigen sich eher in den lokalen Programmen: Selbsthilfeverbände, psychosoziale Einrichtungen, Initiativen und weitere Veranstaltende setzen je nach Region eigene Schwerpunkte und organisieren Veranstaltungen in Städten, Regionen oder Einrichtungen vor Ort.4,6

    Wissenswertes

    Psychische Erkrankungen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind häufig: In Deutschland erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene innerhalb eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung.7

    Auch die Vorstellung, Betroffene müssten sich „nur zusammenreißen“, ist falsch. Psychische Erkrankungen können Alltag, Arbeit und Beziehungen stark belasten. Stigma und Diskriminierung erschweren zusätzlich die Teilhabe und können dazu führen, dass Menschen aus Scham oder Angst keine Hilfe suchen.8

    Hilfe anzunehmen ist deshalb kein Versagen, sondern ein wichtiger Schritt. Der Tag der seelischen Gesundheit trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und psychische Gesundheit sichtbarer zu machen.

    Ähnliche Feiertage

    • Welttag der Kranken - 11. Februar
    • Welt-Autismus-Tag - 2. April
    • Weltgesundheitstag - 7. April
    • Welttag der Suizidprävention - 10. September
    • Welt-Alzheimertag - 21. September
    • Tag der Depression - 4. Oktober

    Quellen

    1. World Mental Health Day (who.int)
    2. The History of World Mental Health Day (wmhdofficial.com)
    3. Welttag für seelische Gesundheit (sozialministerium.baden-wuerttemberg.de)
    4. Woche der Seelischen Gesundheit (seelischegesundheit.net)
    5. Grüne Schleife (seelischegesundheit.net)
    6. Welttag und Aktionswoche für seelische Gesundheit: Praxen können Infomaterial nutzen (kbv.de)
    7. Basisdaten Psychische Erkrankungen 2025 (dgppn.de)
    8. The Lancet Commission – Ending stigma and discrimination in mental health (thelancet.com)