Coming Out Day
Authentizität ist ein Menschenrecht: Der Coming Out Day (COD) am 11. Oktober rückt die Vielfalt queerer Lebensentwürfe ins Rampenlicht. Was 1988 in den USA als National Coming Out Day begann, ist heute als internationaler Tag des Coming-outs fest verankert. Er ist ein globaler Aufruf zur Selbstbehauptung und gegen Diskriminierung. Sein Ziel ist es, Menschen zu bestärken, offen zu ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität zu stehen.1
Geschichte
Der Ursprung des Tages liegt in den USA des Jahres 1987. Damals demonstrierten am 11. Oktober rund 500.000 Menschen beim „Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights“ für Gleichberechtigung. Motiviert durch diesen Erfolg riefen der Psychologe Robert Eichberg und die Aktivistin Jean O'Leary genau ein Jahr später den ersten Gedenktag ins Leben. Die Intention war ein strategischer Wechsel: Weg vom reinen Protest gegen Unterdrückung, hin zur Feier des Coming-outs als aktivem, positivem Befreiungsschlag. Seit seiner Premiere 1988 wird der Tag jährlich ohne Unterbrechung begangen.2
In Deutschland gewann der COD insbesondere in den 1990er-Jahren an Bedeutung, als Organisationen wie der LSVD (Verband Queere Vielfalt) begannen, das Datum für gezielte Aufklärungsarbeit zu nutzen.3
Brauchtum
Informationskampagnen und Beratung stehen in Deutschland im Fokus. Bundesweit organisieren Beratungsstellen und Jugendzentren jedes Jahr am 11. Oktober Infostände oder Projekttage an Schulen, um Schüler*innen über den Prozess des inneren und äußeren Coming-outs aufzuklären. Ein Schwerpunkt liegt seit 2022 dabei auf der Unterstützung Jugendlicher im ländlichen Raum, etwa durch die sogenannten „Coming-Out-Days“ der Landesfachstelle blick in Nordrhein-Westfalen.4
Kultur- und Filmfestivals nutzen den Zeitraum um den COD für maximale Sichtbarkeit. In Hamburg findet jedes Jahr im Oktober das Hamburg International Queer Film Festival statt, das größte seiner Art in Deutschland.5 In München bietet der „Queer Slam“ seit 2024 eine Bühne für Wortkünstler*innen aus der Community an.6.
Regionale Beflaggung und Vernetzung prägen das Bild in den Bundesländern. Während in Stadtstaaten wie Berlin öffentliche Gebäude die Progress-Pride-Flagge hissen, setzen Landkreise wie Waldeck-Frankenberg auf Aktionswochen mit Workshops und Lesungen, um die Akzeptanz vor Ort zu stärken. 7
Wissenswertes
Ein bekanntes Symbol des Coming Out Day war über Jahre das Motiv eines aus dem Schrank tretenden Strichmännchens, entworfen vom Künstler Keith Haring. Es verdeutlichte metaphorisch das Ende des Versteckspiels („Coming out of the closet“). Heute wird verstärkt darauf hingewiesen, dass niemand zur Offenbarung verpflichtet ist; das „Coming-out“ ist ein Recht, keine Pflicht. 8
Ähnliche Feiertage
- Zero Discrimination Day (1. März)
- Lesbian Visibility Day (26. April)
- Tag gegen Homophobie (17. Mai)
- Tag der Bisexualität (23. September)
Quellen
- TU Dortmund: Coming Out Day (gleichstellung.tu-dortmund.de)
- National Coming Out Day (hrc.org)
- Am 11. Oktober ist der 35. Internationale Coming-Out-Tag! (lsvd.de)
- Aktionswochen zu queerem Leben im ländlichen Raum (blick-landesfachstelle.de)
- Hamburg: Queer Festival (hiqff.de)
- München Queer Slam (rausgegangen.de)
- Landkreis Waldeck-Frankenberg: Coming Out Day (landkreis-waldeck-frankenberg.de)
- HRC x Keith Haring for NCOD! (hrc.org)